Lieschtler Turmpost #6, Mai 2021

Die Vor-Sommer-Ausgabe der Lieschtler Turmpost lädt Sie ein zu einem Gespräch mit unseren chargierten Vorstandsmitgliedern und zu neuen Spezialsonntagen in der Turmwirtschaft Aussichtsturm.
Entdecken Sie die gluschtigen Highlights – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Erfahren Sie nachfolgend mehr über die oft unbemerkte und doch so geschätzte Aufgabe unseres Bänkli-Warts Peter Siegrist im Interview mit unserem Aktuar Dominik Wunderlin.


Eine vornehme Aufgabe: Bänkli-Unterhalt

Schon im Oktober 1889, also im Gründungsjahr des Vereins Liestal Tourismus (damals «Verkehrs- und Verschönerungsverein Liestal») entschloss sich der Vorstand zum Aufstellen von Ruhebänken an ausgewählten Standorten und bald danach auch zum Unterhalt von Spazierwegen. Der Auftrag, den man sich gab und der bis heute Gültigkeit hat, ist die Verantwortlichkeit des Vereins für Sitzbänke ausserhalb des Siedlungsgebietes. Angesichts der zahlreichen Spazier- und Wanderwege innerhalb eines Stadtbannes von stolzen 1800 ha sind das eine ganze Menge, so 1908 bereits 84 Bänkli. 

Was alles dahinter steckt, damit wir in Liestals Wäldern und auf seinen Fluren bequeme und saubere Sitzbänke antreffen und benutzen können, wollte Dominik Wunderlin von seinem Vorstandskollegen Peter Siegrist, Verantwortlicher für Ruhebänke und Spazierwege, in einem Gespräch im Hurli wissen.

Was hat dich bewogen, im Vorstand diese ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen? 
Ursprünglich wurde ich vor vielen Jahren als Vertreter der Bürgergemeinde in den Vorstand von Liestal Tourismus gewählt.  Als nach einiger Zeit der «Bänkli-Betreuer» Richi Casanova Amtsmüdigkeit bekundete, meldete ich mich für diese Aufgabe. Als Möbelschreiner (mit Meisterbrief), der dann allerdings über 30 Jahre als Fachlehrer an der GIBL unterrichtete, brachte ich handwerkliches Geschick und Freude für Holz mit. 

Wie gestaltet sich ganz konkret deine Arbeit? Wie viele Bänke werden im Schnitt pro Jahr rundum erneuert? 
Ich streife gerne durch unseren schönen Liestaler Wald und kontrolliere im Laufe des Jahres mehr oder weniger gezielt unsere, über das ganze Bann aufgestellten Sitz- und Ruhebänke. In der Vegetationszeit ist es oft nur nötig, mit der Rebschere, die ich immer im Rucksack habe, da oder dort einen vorwitzigen Zweig oder Brombeerranke abzuschneiden. Manchmal muss ich aber auch den Freischneider (Motorsense) einsetzen. Bei diesen Einsätzen beurteile ich auch den Zustand einer Bank. Insbesondere an Standorten mit vielen Spaziergängern muss das Holz zur Pflege häufiger geölt werden.

Meine Arbeit beschränkt sich – auch budgetbedingt – auf die Zeit zwischen April und Oktober. Dann werden jährlich im Schnitt etwa sechs Bänke erneuert, also zugleich neue Sitzbretter und auch die Rückenbretter ausgewechselt, wenn Morschheit angezeigt ist. Bei etwa fünf weiteren Bänken wechsle ich oft auch nur einzelne Bretter aus, da nicht immer alles durchgefault ist. Die Bretter werden in der Schreinerei auf dem Arxhof (kantonales Massnahmenzentrum für junge Erwachsene) gerichtet und dazu gehört neben dem Schleifen auch das Abrunden der Kanten. Heute wird ausschliesslich Holz der Douglasie verwendet.

Die Betonsockel werden durch Alex Kilchherr, Kundenmaurer, hergestellt. Für alle Erdarbeiten rund um eine Bankanlage (wie z. B. Zugang, Vorplatz mit Mergelbelag) beauftrage ich Oeko-Job. Diese regional aktive Institution zur Arbeitsintegration wird auch zum Unterhalt unserer Spazierwege aufgeboten. Sie gehören ebenso in mein Ressort wie das Erstellen und Unterhalten der Picknick-Tische und Feuerstellen, auch hier oft im Zusammenarbeit mit Oeko-Job. In jüngerer Zeit engagiert sich die Bürgergemeinde verstärkt bei den Feuerstellen. So hat sie neuerdings mehrere neue «Panzer-Grills» installiert und sorgt auch für das Auffüllen der Holzdepots, wobei der Auftrag für die Brennholzzubereitung von Angehörigen der Eingliederungsstätte BL auf der Sichtern erfolgt. 

Wie hoch sind die Kosten heute für eine normale Sitzbank?
Für die Sockelung und für die Bretter (Material und Zurichten) rechne ich im Durchschnitt mit etwa 1200 Franken.   

Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Wie viele Stunde wendest du jährlich auf für die Bänkli?
Wenn ich die Bretter nicht selber öle, dann wende ich etwa 120 Stunden auf. Dazu kommen dann natürlich die Arbeitsstunden von Oeko-Job und von der Bürgergemeinde.

Du bist ja nicht der Erste im Verein, der diese Aufgabe wahrnimmt. Konntest du von den Erfahrungen deines Vorgängers profitieren und was hat sich grundsätzlich bei der Arbeit geändert?
Richi Casanova hat mir gezeigt und erklärt, was es zu tun gibt. In einer kleinen Werkstatt im Rosen-Hing eine Karte von Liestal, auf der mit «Nöödeli» die Standorte aller Bänkli verzeichnet waren. Die Werkstatt nutze ich nur noch als Lager, da ich zu Hause gut eingerichtet bin.

Diese Karte von Casanova war für dich also eine Orientierungshilfe. Ich nehme an, dass du ein Inventar angelegt hast, mit Nummern und Vermerk aller Arbeiten?

Genau so ist es.
Ich habe auf der gedruckten Waldkarte der Bürgergemeinde alle Bänkli-Standorte mit einem roten Punkt eingetragen und eine Nummer dazu gesetzt. Im Eigentum unseres Vereins sind rund 160 Bänkli. In einem PC-gestützten Inventar habe ich zu jedem Bänkli alles Wichtige festgehalten und mit Datum trage ich jeweils Änderungen nach.

Natürlich tragen an der Rücklehne alle Bänkli das neue Vereinslogo. Hingegen habe ich darauf verzichtet, bei jedem Bänkli auch noch die Inventarnummer anzubringen. Wenn jemand mir einen Schaden melden will, war es bisher immer möglich, den Standort zu umschreiben.    

Gibt es auch Bänkli, die nicht mehr existieren? Warum?
Die Anzahl Sitzbänke ist seit Jahren konstant und hat sich nur wenig verändert als Folge der Ausdehnung des Siedlungsgebietes. Vielleicht wird einmal eine Anlage leicht verschoben. Definitiv verschwunden ist allerdings die Sitzbank beim Kessel, da die Kanzel vor Jahren in die Ergolz gestürzt ist.

Gibt es auch Vandalismus zu beklagen? Welcher Art? Wie gehst du damit um?
Natürlich gibt es auch in Liestal Leute, die nicht wissen, was sich gehört. Verzierungen sind das eine, Brandschäden durch Einweggrills das andere und besonders ärgerlich. Erwähnen muss ich hier, dass jemand auf der Sichtern einen Picknicktisch angekohlt hat. Weh getan hat mir dabei, dass ein schönes Eichenbrett, das ich hier ausnahmsweise eingesetzt habe, zerstört wurde. Aber was will ich gegen Vandalen machen? Ich ersetze das, was kaputt gemacht wird. 


Bereits 1892 musste sich der Vorstand mit der mutwilligen Zerstörungen von Sitzbänken befassen. Er sah sich gezwungen, mit einem Schreiben die Lehrerschaft zu ersuchen, die Jugend zur Schonung der Anlage anzuhalten. Man war damals auch nicht unzimperlich, wenn jemand erwischt wurde: 1901 wurden zwei Missetäter wegen erheblichem Vandalismus zu 3 und 3 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.


Gibt es umgekehrt auch schöne Erlebnisse bei deiner Arbeit als «Bänkli-Betreuer»?
Es kommt gelegentlich vor, dass mich bei einem Einsatz im Wald ein Spaziergänger anspricht und sich freut, einmal zu sehen, wer sich um die Sitzbänke annimmt und merkt, dass es nicht ein Heinzelmännchen ist. Bei der neugesetzen Bank am Hurliweg, die eine tolle Aussicht bietet, haben zahlreiche Leute spontan die Anlage gelobt.

Obwohl du die meisten Bänkli mehr als einmal im Jahr «besuchst», bist du sicher dankbar, wenn dir eine kaputte Bank gemeldet wird. Aber du hast bestimmt auch noch einen anderen Wunsch?
Genau. Ich wäre sehr dankbar um Mithilfe. So könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Leute, die bei ihren Spaziergängen eine oder zwei Bänkli regelmässig benutzen, oder in ihrer Nähe wissen, eine Art Patenschaft eingehen. Und das könnte dann auch heissen, dass man auch mithilft, wenn es mal heisst: Hand anlegen.    

Vielen Dank für das Gespräch und den gewährten Einblick in deine Arbeit. Und ein herzliches Dankeschön für diesen jahraus-jahrein freiwillig geleisteten Dienst zum Wohle von uns allen, die gerne durch unsere Wälder und Fluren streifen.   

Fotos & Text: Dominik Wunderlin
Herausgeber: Verein Liestal Tourismus, Wirtschaftskommission Turmwirtschaft Aussichtsturm
Redaktion: Simone Wunderlin, Vorstandsmitglied Wirtschaftskommission
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Die nächste Turmpost erscheint Mitte August 2021.